ephys

Tanzkultur

Gestern waren wir zum ersten Mal seit September wieder im Phil’s, dem wohl einzigen Club in Waterloo, in dem kein Hip Hop, sondern rockigere Musik gespielt wird. Dort ist mir mal wieder aufgefallen, dass Kanadier sich in Clubs anders verhalten als wir Europäer, oder zumindest als ich es gewohnt bin (ich möchte ja nicht verallgemeinern).

Wenn man sich in Kanada auf der Tanzfläche befindet, dann gehört das Antanzen schon fast zum Pflichtprogramm. Es passiert viel häufiger als ich es gewohnt bin, dass Jungs und Mädels, die sich vorher nicht gekannt haben, sich mal schnell unverbindlich antanzen und schauen wie der andere reagiert. Die Folgen kann man gut über den Verlauf des Abends hinweg beobachten: Am Anfang sind noch viele reine Jungs- oder Mädchencluster anzutreffen, die sich im Laufe der Zeit langsam auflösen und in einen homogenen Mischmasch übergehen. Ich habe den Eindruck, dass bei diesem Antanzen die Rollenverteilung klarer vorgegen ist als in Deutschland:

Männlein: Von den Männern wird anscheinend erwartet, dass sie die Initiative ergreifen, zumindest was den ersten Körperkontakt betrifft. Und den gibt es in Kanada häufig schon vor dem ersten Augenkontakt! Also ziehen die Jungs über die Tanzfläche, tanzen Mädels (häufig von hinten) an und ziehen, falls sie erfolglos waren, direkt weiter zum nächsten Opfer.

Weiblein: Die Mädels wissen durchaus, wie Interessenten abzuwehren sind: Sind sie von dem Kerl nicht überzeugt, dann wird er direkt weggeschubst (begleitet von einem genervten Blick) oder weitergeleitet getreu dem Motto: Du wolltest doch nur vorbeilaufen, oder? Dabei können die Mädels schon fast gewaltätig werden. Mädchen sind auf ihrem Beutezug nicht so direkt wie die Jungs: Sie suchen Blickkontakt und bekunden so ihr Interesse. Ich habe jedoch den Eindruck, dass sie nun erwarten, dass der Mann den nächsten Schritt übernimmt, denn oft ziehen sie nach wenigen Minuten buhlen wieder ein paar Meter weiter und versuchen dort ihr Glück.

Zunächst habe ich gedacht es läge daran, dass die Zielgruppe etwas jünger ist, aber dann ist mir eingefallen, dass man in Kanada ja erst ab 19 Jahren in die Clubs überhaupt reinkommt. Und diese Regel wird auch forciert: Vor jeder Bar und jedem Club muss der Ausweis gezeigt werden. Also so jung kann das Publikum im Phil’s auch nicht gewesen sein.

Na ja, das waren meine Beobachtungen, andere Leute nehmen die kanadische Tanzkultur vielleicht ganz anders wahr.